So schreibst du lesbische Figuren.

So schreibst du lesbische Figuren

Lesbische Figuren zu schreiben, kann problematisch sein, da viele cishet Autoren nur durch stereotypisierte Darstellungen in den Medien mit der Community zu tun haben. Wenn du eine Lesbe in deinem Buch schreiben möchtest, gibt es ein paar Dinge, auf die du achten solltest. In diesem Blogbeitrag bekommst du acht Tipps zum Schreiben lesbischer Figuren von mir als lesbischer Autorin und Lektorin. 

Hol dir Hilfe beim Schreiben lesbischer Figuren

Es ist schön, wenn Menschen, die nicht zu einer marginalisierten Gruppe gehören, diese in ihren Geschichten repräsentieren wollen. Jedoch fehlt ihnen oft das Verständnis für die Erfahrungen dieser Leute.  Selbst mit den besten Intentionen kannst du Fehler machen. Das ist prinzipiell nicht schlimm. Um nicht in Stereotype zu verfallen, die wir in den Medien sehen, ist viel Recherche nötig. 

Außerdem solltest du von der Community lernen, die du darstellen möchtest. Lies Bücher lesbischer Autorinnen, Fiktion und non-Fiktion, schau dir Videos an, studiere Blogs und Bücher. Versuche auch, diverse Testleser oder Sensitivity Reader heranzuziehen. Dadurch bekommst du Rückmeldung zu deinen Ideen und Darstellungen. Nimm das Feedback an und du wirst eine bessere, authentischere Geschichte erzählen.

Schreibe lesbische Figuren vielschichtig

Ihr Lesbisch-Sein sollte nicht der einzige Charakterzug der Figur sein. Gib ihr eine Hintergrundgeschichte, Ziele, Wünsche und Schwächen. Sonst hakst du nur einen Punkt auf einer Liste ab und schreibst nicht wirklich diverse Figuren. 

Ein zweischneidiges Schwert ist Intersektionalität, also wenn deine lesbische Figur noch anderen Gruppen zugehört, wie Religionen, Menschen mit Behinderungen oder Klassengemeinschaften. Einerseits gibt ihr das mehr Tiefe und repräsentiert ein größeres Spektrum an Identitäten. Andererseits kann es leicht passieren, dass du nur gedanklich eine Strichliste abhakst: Du solltest eine LGBT Person und eine schwarze Person haben – also hast du einen „sassy gay black best friend“. Das ist inzwischen ein Klischee, das du vermeiden solltest. 

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Repräsentation, nicht Aneignung

“Kulturelle Aneignung” ist in aller Munde, wenn es um Kleidung und Frisuren geht. Doch gibt es das Phänomen auch in Büchern. Es bedeutet, dass du als Autor eine Geschichte erzählst, die dir nicht zusteht. 

In Bezug auf lesbische Figuren heißt dass, dass du über Lesben schreiben kannst, aber nicht über das Lesbisch-Sein, wenn du es nicht selbst bist. Das heißt, die sexuelle Identität deiner Figur und wie sie sich damit auseinandersetzt, ist nicht der Fokus ihrer Geschichte. Die Kommissarin in deinem Thriller ist lesbisch als Teil ihrer Figur, nicht als Hauptthema der Geschichte. Diese Erfahrung solltest du nicht beschreiben, wenn du nicht selbst lesbisch bist.

Das gilt übrigens für alle marginalisierten Gruppen, die du in deinen Büchern beschreibst: Schreibe eine Figur aus dieser Gruppe, nicht über die Lebenserfahrung der Gruppe, wenn sie nicht deine eigene ist. Das zeigt mangelnden Respekt. 

Zeige, wie ihr Lesbisch-Sein ihre Identität formt

Zeige, wie ihr Lesbisch-Sein ihre Identität formt

Wie schon beim letzten Punkt geht es hier darum, deiner Figur nicht nur das Label „lesbisch“ anzuheften. Überlege, wie diese Identität ihre Sicht auf die Welt formt. Dinge, über die du nachdenken kannst, sind etwa, welche Beziehungen sie als Lesbe hat oder welche ihr verwehrt bleiben. Ist deine lesbische Figur aktiver Teil der LGBT Community? Wie ist es dazu gekommen? Wenn nicht, wieso? Wie sieht sie sich im Bezug zu heteronormativen Vorstellungen von Liebe, Romantik und Sex? 

Diese Dinge musst du nicht explizit beschreiben oder zu erklären versuchen, aber sie sollten in den Gedanken und Handlungen deiner Figur spürbar sein. Gerade, wenn du in einem Setting unserer Welt schreibst, sind das wichtige Fragen. Denn so zu tun, als wären homosexuelle Frauen keine spezifischen Erfahrungen machen, reduziert deren Identität.

Lass lesbische Figuren sich öfter outen

Lass lesbische Figuren sich öfter outen

Gerade in Filmen ist ein Outing ein einziges Gespräch, oft der Höhepunkt einer queeren Figur. Aus zeitlichen Gründen macht das Sinn, aber in Wahrheit outen sich LGBT Personen im Laufe ihres Lebens immer wieder. Das erste Mal vor sich selbst, dann vor engen Freunden oder der Familie, dem Partner, Mitarbeitern, neuen Bekannten. Hinzu kommt eine veränderte Wahrnehmung der eigenen Identität. Vielleicht entdecken sie neue Labels für sich, probieren verschiedene Pronomen.

Gerade, wenn deine Figur straight passing ist – also für hetero gehalten werden könnte – wird sie sich immer wieder outen müssen. Diese Outings können gut, schlecht oder auf alle Arten dazwischen verlaufen. Nutze die Gelegenheit, um verschiedene Figurendynamiken auszuloten.

Lesbische Figuren denken nicht über  attraktive Männer nach

Davon liest man öfter, als man meinen würde: Eine lesbische Figur bewertet das Aussehen von Männern, denkt womöglich öfter über ihre Attraktivität nach als über die von Frauen. 

Das heißt nicht, dass Lesben nicht wissen, wenn ein Mann gut aussieht. Sie sind nicht blind. Aber es nimmt nicht viel Platz in ihren Gedanken ein, weil sie nicht sexuell zu Männern hingezogen sind. Lass deine lesbische Figur doch lieber eine schöne Frau bemerken – oder die attraktive Freundin des attraktiven Mannes. 

Genitalien bestimmen nicht die sexuelle Anziehung

Lesbische Frauen fühlen sich zu Frauen wegen ihrer Weiblichkeit hingezogen, nicht wegen einer Vagina. Das inkludiert trans Frauen. Wer trans Frauen ausschließt, ist eine TURF, als trans exclusive radical feminist. Vermeide solche Figuren, besonders aber, sie in positivem Licht darzustellen. Trans Frauen sind Frauen, daran gibt es wissenschaftlich keinen Zweifel. Ein paar Tipps, wie du trans Figuren schreiben kannst, habe ich hier gesammelt. 

Denn Weiblichkeit am Vorhandensein bestimmter körperlicher Merkmale festzumachen, bringt verschiedene logische Probleme mit sich. Zum einen denken Menschen, die sich zu einem bestimmten Geschlecht hingezogen fühlen, nicht: „Eigentlich bin ich nicht zu dir hingezogen, aber ich weiß noch nicht, was du für Genitalien hast, also mal sehen.“

Zudem schließt ein solches Verständnis von Geschlecht Menschen mit Behinderung aus. Ist jemand, der bestimmte Körperteile nicht mehr hat, nicht mehr sein Geschlecht?

Lasse lesbische Figuren keinen heteronormativen Sex haben 

Wenn du Sexszenen mit deinen lesbischen Figuren schreibst, recherchiere dafür ausführlich – und zwar nicht mit Pornofilmen. Ein Anhaltspunkt kann das Buch „Sexual Intimacy for Women“ von Glenda Corwin sein. Es geht in die Tiefe, was Körperbild, Identität, Altern und Elternschaft angeht, wodurch es dir weitere Anstöße für die Ausarbeitung deiner lesbischen Figuren bieten kann. 

Kurz gesagt, lesbischer Sex besteht nicht nur aus Penetration mit einem Strap-On. Es gibt Hände, den Mund, und zahlreiche nicht phallisch-geformte Sexspielzeuge. 

Ein Aspekt, auf den du achten kannst, ist der Umgang mit Geschlechterstereotypen deiner Figur. Beziehungen zwischen Lesben bestehen nicht zwangsläufig aus einer ‚männlich‘ aussehenden Frau mit kurzen Haaren und einer ‚weiblichen‘ Frau mit langen Haaren. Und sicherlich entspricht ihre Beziehung nicht dem Prinzip von „Wer ist ‚der Mann‘ und wer ist ‚die Frau‘?“ 

Nutze diese Neuartigkeit, um die Funktionalität von Beziehungen generell zu erforschen. Welche Verhaltensweisen, die in heterosexuellen Beziehungen als normal gelten, werden in einer lesbischen Beziehung als Teil von toxischer Maskulinität sichtbar? Wie funktioniert sexuelle Anziehung ohne den Male Gaze und Objektivierung? Wiederholt deine lesbische Figur unbewusst sexistisches Verhalten, dem sie zuvor ausgesetzt war oder überkompensiert sie es vielleicht? 

Beschreibe lesbische Figuren mit Respekt

Schreibe lesbische Figuren mit Respekt 

Die lesbische Erfahrung in einer patriarchalen Gesellschaft ist eine komplizierte. Selbstwert, die Vorstellung von Liebe, Romantik, Sex und Flirten – all das ist auf ‚den Mann‘ ausgerichtet. Sich als Frau von diesen Vorstellungen abzusetzen, mit denen man erzogen wurde, ist ein komplexer Prozess. 

Scheue dich nicht, ihn so vielseitig darzustellen, wie er ist. Dafür ist Recherche nötig. Außerdem solltest du dir Testleser aus der LGBT Community suchen und wenn möglich mit Sensitivity Readern zusammenarbeiten. Als lesbische Lektorin kannst du mir gerne Fragen über das Kontaktformular stellen.